ÖSTERREICHISCHER VERBAND
DER HERZ- UND
LUNGENTRANSPLANTIERTEN
LANDESSTELLE SALZBURG


Dieser Artikel erschien am Samstag, dem 16. September 2006 in den Salzburger Nachrichten

Hoffnungsträger Transplantat

Die Salzburger Selbsthilfegruppe Herz- und Lungentransplantierter Menschen freut sich über Zuwachs auch aus Bayern und Oberösterreich.

ERIKA PICHLER


SALZBURG (SN). „Warum trifft es gerade mich, warum nicht den anderen? Soll ich mich, auf die Warteliste für eine Transplantation setzen lassen? Ist das wirklich die einzige richtige Alternative?" So beschreibt der herztransplantierte Johann Auer rückblickend seine Gedanken vor der lebensrettenden Operation.
Angst, Unsicherheit, Ablehnung vorgetäuschten Mitleids, Dankbarkeit für jeden guten Rat - mit solchen Gefühlen sind Menschen konfrontiert, die ein neues Herz oder eine neue Lunge brauchen. Dazukommen die schwere körperliche Beeinträchtigung, zunehmende Unbeweglichkeit und soziale Isolation, eingeschränkte Lebenserwartung durch das rasche Fortschreiten der Krankheit und nicht zuletzt die Abhängigkeit von der Sauerstoffflasche.
Vier Jahre habe ich Tag und Nacht mit Sauerstoff gelebt und gearbeitet", erzählt Sonja LorumMayer von der Zeit vor ihrer Lungentransplantation. Für die damalige Sekretärin war ein Urlaubs-Rückflug aus der Türkei,
bei dem sie plötzlich an starker Atemnot litt, der Wendepunkt in ihrem bis dahin „normalen" Leben. Als einige Zeit später die Diagnose „Lungenfibrose" feststand, samt der Aussicht, ein Leben lang von Sauerstoffzufuhr abhängig zu sein, war der Ehepartner ihre wichtigste Stütze - auch bei der Entscheidung, sich auf die Warteliste für eine Transplantation setzen zu lassen.
Im Jahr 2001 war es so weit: ein Anruf aus dem Allgemeinen Krankenhaus Wien, unmittelbar darauf Abtransport mit der Rettung, noch am selben Tag eine neue Lunge. Fünf Jahre liegt die Transplantation nun zurück. Sonja Lorum-Mayer hat seither das Gefühl, ein zweites Leben geschenkt bekommen zu haben, auch wenn es ein anderes Leben ist als vorher - ein Leben mit Medikamenten, die penibel eingenommen werden müssen; mit Ängsten vor Verschlechterungen, mit vielen Kontrollen und viel Selbstdisziplin - wegen der geschwächten Immunkraft besteht erhöhte Infektionsgefahr, egal ob im Hallenbad, auf öffentlichen Toiletten oder im Freien während der Erkältungsperiode. Dennoch hat Lorum-Mayer wieder Freude am Leben. Etliche Kranke hat sie inzwischen bis zur Transplantation begleitet, hat mit ihnen vor allem die schwierige Zeit des Wartens auf ein Transplantat durchgestanden.
  

Kontakt zu Betroffenen vor und nach Operation
Zusammen mit dem lungentransplantierten Hubert Kaufleitner und mit Johann Auer hat sie im Februar dieses Jahres eine Selbsthilfegruppe gegründet, der inzwischen 46 Herz-/LungenTransplantierte angehören. Gerne möchte die Gruppe auch Betroffene im angrenzenden Bayern erreichen. Wir wollen erreichen, dass wir mit den betroffenen Menschen vor der Entscheidung zur Operation und nach der Operation Kontakt aufnehmen können. Unmittelbar nach einer Transplantation wollen zwar viele Patienten erst einmal Ruhe haben und sich an ihrem neuen Leben freuen. Später aber ist es gut, Erfahrungen auszutauschen. Wir müssen viele Medikamente nehmen und auf mögliche Abstoßungsreaktionen achten. Und oft kann jemand anderer einem dabei einen guten Hinweis geben. Wir veranstalten auch Themenabende mit Ärzten. Trotzdem reden wir nicht nur über Medikamente und Kranksein! Wir machen auch Ausflüge und planen zum Beispiel schon eine Schlittenfahrt im Winter."
Hubert Kaufleitner macht noch etwas Anderes Mut: „Bei 'unserer Olympiade', den Europäischen Transplantspielen, die heuer im Juni in Neapel stattgefunden haben, gab es acht Goldmedaillen für Österreich."