ÖSTERREICHISCHER VERBAND
DER HERZ- UND
LUNGENTRANSPLANTIERTEN
LANDESSTELLE SALZBURG

 

Herzpumpe statt Transplantation?

Freischwingender Rotor verrichtet Herzarbeit bei schwerer Insuffizienz.

"Sänger denken zuerst mit den Stimmbändern, dann erst mit dem Gehirn", sagt Mag. Georgi Petkov. 13 Jahre liegt die übergangene Lungenentzündung zurück – der vermeintliche Schnupfen, den der ehemalige Opernsänger mit verschiedenen Hausmitteln zu kurieren versuchte und der fast mit dem Herztod endete. "Oktober 2005 war ich ein Wrack, geschwollen vom Bauch bis zu den Füßen", sagt der 48Jährige: Schwerste Herzmuskelschwäche, staubgraue Gesichtsfarbe, Depressionen. Maximale Gehstrecke: 100 Meter. Eine Transplantation kam wegen der schlechten Gesundheitswerte nicht in Frage, Ausweg war eine Herzpumpe.

"Ich wusste nicht, dass ich die Nummer eins für die neue Pumpe sein würde", sagt Petkov, der weltweit erste Mensch, dem eine vollkommen neuartige Linksherzunterstützungspumpe der US-Firma HeartWare implantiert wurde. Als Übergangslösung bis zur Transplantation. Heute, sechs Wochen nach dem Eingriff, sind 30 bis 40 Minuten Ergometertraining problemlos möglich. Und: "Langsam beginne ich wieder mit den Stimmbändern zu denken", sagt der Sänger.

Georgi Petkov ist einer von weltweit zwei Patienten, die mit der Pumpe leben. Implantiert wurden die Geräte in der Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie am Wiener AKH. Seit über 30 Jahren erforscht und entwickelt man dort Systeme zur Herzunterstützung. In einem Auswahlverfahren haben sich die Wissenschafter nun gegen Zentren in England, USA und Deutschland durchgesetzt und als weltweit erstes Institut die Operation durchgeführt.

"Herzpumpen haben den Sinn, das versagende kranke Herz eines Patienten zu ersetzen", erklärt Prof. Dr. Georg Wieselthaler, Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie am AKH. "Das Besondere an diesem Gerät ist die vollkommen neuartige Technologie." Der Rotor des Systems schwebt berührungslos in einem Magnetfeld. Daher gibt es keine mechanischen Verschleißteile, das Gerät soll 10 bis 15 Jahre lang einsatzfähig bleiben. Zudem sei die Pumpe extrem klein, was die Implantation bei Kindern oder Frauen möglich mache, so Wieselthaler. Das Limit ist allerdings noch nicht erreicht: In Zukunft werden die Geräte nur noch ein Zehntel der jetzigen Pumpen messen, "das ist so groß wie das oberste Glied meines kleinen Fingers", erklärt der Chirurg. Ein Prototyp existiert bereits, er wird ohne Operation per Katheter implantiert.

Für die derzeit untersuchte Pumpe ist allerdings noch ein kleiner Eingriff notwendig. Dabei wird der Ansaugstutzen der Pumpe (das nach oben zeigende Rohr im Bild) direkt in die Herzspitze gesetzt, das angeschlossene Kabel ragt durch die Haut aus dem Oberkörper und ist mit einer etwa zwei Kilogramm schweren Steuereinheit verbunden. Eine Batterie außerhalb des Körpers versorgt das Gerät mit Strom. Ziel ist es eine Pumpe zu entwickeln, die voll implantierbar ist und Energie über die geschlossene Haut aufnehmen bzw. Daten abgeben kann.

Derzeit wird das Gerät in einer multizentrischen Studie in Wien, Hannover, Perth und der britischen Harefield-Klinik an insgesamt 20 Patienten erprobt, das AKH sucht derzeit noch fünf Probanden. Endergebnisse sollen Ende 2007 vorliegen. Läuft alles gut, könnte die Pumpe in drei bis vier Jahren zugelassen werden, so Wieselthaler. Derzeit wird sie Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz eingesetzt, um die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken. In Zukunft könnte sich das Einsatzgebiet allerdings erweitern: "Wenn die Pumpe das hält, was sie verspricht – und zur Zeit sieht es so aus – kann sie eine echte Alternative zur Herztransplantation werden", sagt Wieselthaler.