Dankgottesdienst im Stift Seitenstetten/Nö.
am 25. Oktober 2014

Der vergangene Samstag, der 25.Oktober 2014 war für unsere Selbsthilfegruppe, ja für den gesamten Verband ein ganz besonderer Tag, ein Tag, der uns unvergessen bleiben wird, stand doch unser diesjähriger Dankgottesdienst ins Haus.

Unser Besuch in Seitenstetten war das Ergebnis einer Bekanntschaft mit dem früheren Abt des Klosters Seitenstetten, Berthold Heigl. Dieser war im September 2013 zur Reha in Großgmain, wo ihm auf Grund großer gesundheitlicher Probleme eine Herztransplantation angeraten wurde. Unser SHG-Mitglied Jochen, zur selben Zeit in Großgmain, redete ihm gut zu, der Transplantation zuzustimmen, aber Abt Berthold wollte vorerst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Bereits damals wurde ins Auge gefasst, einen Dankgottesdienst für den gesamt-österreichischen Verband im Stift Seitenstetten unter der Leitung von Abt Berthold zu veranstalten, egal ob transplantiert oder nicht. Im April d.J. war es aber dann doch soweit. Abt Berthold erhielt ein neues Herz. Kurz zuvor wurde der Dankgottesdienst für den 25. Oktober fixiert. Inzwischen wurde die Bekanntschaft mit Abt Berthold anlässlich eines weiteren Rehaaufenthaltes in Großgmain durch einen Besuch unseres Stammtisches Anfang Juni vertieft. Die weiteren Planungen für den Dankgottesdienst wurden durch Alex intensiviert, praktisch bis zur letzten Minute am vergangenen Samstag.

Aber der Reihe nach...

Pünktlich um 8:15 Uhr bestiegen wir den Bus, in dem bereits der komplette Männerchor aus Hochburg-Ach samt Anhang versammelt war, zur Weiterfahrt zum Stift Seitenstetten in Niederösterreich. Die Fahrt selbst verlief sehr kurzweilig, und wir trafen gegen 10 Uhr im Stift ein. Dort waren bereits die Teilnehmer anderer SHG´s aus den verschiedenen Bundesländern eingetroffen, und es gab für einige von uns ein frohes Wiedersehen. Zunächst konnte, wer wollte, an einer Führung durch das Stift teilnehmen. Für die vielen Besucher wurden die Führungen viertelstündlich durchgeführt, in mehreren Gruppen.

Um 11:30 Uhr begann dann der eigentliche Dankgottesdienst in der Stiftskirche, die bis auf den letzten Platz belegt war (ca. 250 Personen), ein imponierender Anblick. Zunächst hieß Altabt Berthold die Besucher herzlich willkommen und informierte die Zuhörer über die Geschichte des Klosters. Alex begrüßte dann im Namen des Verbandes die Besucher und berichtete dann über das Zustandekommen des Dankgottesdienstes. Schließlich begann der eigentliche Dankgottesdienst unter der bewährten Leitung des Abtes Berthold. Er selbst war zeitweise emotional sehr betroffen, was gerade beweist, welche Bedeutung die Herztransplantation und der Dankgottesdienst auch für ihn hatte. Sehr einfühlsam gestaltete er seine Predigt, in der er seinen persönlichen Dank an alle, die an seiner Transplantation beteiligt waren ausdrückte. Sehr behutsam übergab er dann das Wort an Jochen, der seine "Gedanken eines Herztransplantierten" gefühlvoll und bewegend vortrug.
Die von Alex sehr treffend verfassten und von verschiedenen Personen vorgetragenen Fürbitten und zwei Lesungen rundeten den Dankgottesdienst perfekt ab. Als Teilnehmer hatte man das nicht enden wollende Gefühl, dass das gesamte Publikum sehr ergriffen und beeindruckt war. Einen so emotional durchdrungenen Gottesdienst hatte bisher wohl noch niemand erlebt, wie später allgemein bestätigt wurde.
Einen ganz wesentlichen Teil zum gelungenen Gottesdienst trug der wunderbare Männerchor von Hochburg-Ach bei, der Teile aus der Schubertmesse zum wahren Erlebnis werden ließ. Durch die hervorragende Akustik der Stiftskirche kam die ganze Kraft des Chores zur vollen Entfaltung, wirklich sehr beeindruckend !
Ebenfalls ganz hervorragend die Darbietung der Flötistin Vivian Rinnerthaler, der Gattin eines erst kürzlich lungentransplantierten Mitgliedes unserer SHG. Sie ließ das musikalische Programm ganz einfühlsam ausklingen.

Nach dem Gottesdienst begaben sich die vielen Teilnehmer, begleitet vom Segen des Abtes, gemeinsam zum Mittagessen. Es bestand die Möglichkeit unter drei Menüs zu wählen, die alle sehr gut waren. Die schnelle und freundliche Bedienung leistete Schwerstarbeit bei der großen Anzahl der Besucher und hat sich ein Extralob verdient. Abt Berthold fand auch bei dieser Gelegenheit sehr freundliche Worte bei einer launigen Ansprache und machte wie üblich mächtig Reklame für sein geliebtes Kloster.

Wer noch geblieben war, und das waren viele, fuhr mit dem Bus oder Privat-PKW, zusammen mit dem Chor zur Wallfahrtskirche Sonntagberg, die zum Stift Seitenstetten gehört. Die erst kürzlich teilrenovierte Kirche ist ein ganz besonderes Kleinod und wird in den nächsten Jahren hoffentlich komplett renoviert übergeben werden können. Abt Berthold, der uns begleitete, und der Pfarrer der Wallfahrtskirche informierten ausführlich über die Geschichte dieses sehr berühmten Bauwerkes. Ein Besuch lohnt sich allemal. Auch hier überzeugte der Männerchor Hochburg-Ach und brachte die hervorragende Akustik der Basilika voll zur Geltung.

Wieder ging es per Bus zurück zum Stift, wo eine Mostverkostung und ein kaltes Buffet auf uns wartete. Der Most, der angeboten wurde, war absolute Extraklasse und verleitete dazu, am Ende zuviel zu trinken. Aber wir waren ja mit dem Bus unterwegs, und außerdem blieb alles komplett im Rahmen. Es endete ein ereignisreicher Tag, der, wie eingangs erwähnt, wohl für immer in unserer Erinnerung bleiben wird. Wir erlebten einen echten Dankgottesdienst, mit der besonderen Betonung auf Dank. Es wurde beeindruckend zum Bewusstsein gebracht, dass alle Transplantierten vielen Menschen und Institutionen zu allergrößtem Dank verpflichtet sind, insbesondere aber gegenüber dem Organspender und dessen Angehörigen. In der Kirche konnte man mit jeder Faser spüren, dass Organtransplantation einen Akt der Nächstenliebe darstellt, aber auch eine Verpflichtung für die Organempfänger. Dass dies auch so empfunden wird, bewies der emotionsgelade Gottesdienst sehr eindrucksvoll.

Wenn wir schon beim "Danke" sagen sind, so sei in erster Linie unser Alex erwähnt, der seit April unter großem persönlichen Aufwand dieses für uns große Ereignis geplant und auch voll organisiert hat. Eine Riesenleistung ! Dank auch an Hubert, der nicht nur erreicht hat, dass der wunderbare Männerchor aus Hochburg-Ach unseren Dankgottesdienst begleitete, sondern auch die Organisation der Busreise geplant und "auf die Beine gestellt" hat. Großen Dank und Respekt aber auch an Abt Berthold Heigl, der gerade einmal sechs Monate nach seiner Transplantation mit vollem Einsatz und sichtlich großer Freude den Dankgottesdienst geleitet hat und uns darüber hinaus durch seine persönliche Anwesenheit während des ganzen Tages tief beeindruckt hat. "Vergelts Gott Abt Berthold" sagen wir aus tiefstem Herzen und wünschen ihm auch weiterhin für viele, viele Jahre gute Gesundheit.

Allen andern, die ebenfalls am Zustandekommen und guten Gelingen des Dankgottesdienstes beigetragen haben, sagen wir nochmals herzlichen Dank. Alex hat dies ja bereits während der Ansprache in der Stiftskirche zum Ausdruck gebracht.

Gegen 20:30 Uhr verließen wir dann das Stift Seitenstetten, und wurden sicher wieder zum Ausgangspunkt unserer Reise zurück gebracht.

Es war ein wunderschöner, sehr ereignisreicher Tag, nicht nur für unsere SHG, sondern für den gesamten Verband der Herz- und Lungentransplantierten und alle anderen Besucher. Wir danken auch all jenen aus den Bundesländern und vom Verband, die organisatorisch im Hintergrund tätig waren.

-jo
26.10.2014